Einmal schnell auf den Drehhocker stellen, um etwas aus dem obersten Regal zu angeln? Oder „mal eben“ das Loch ins Glas bohren, ohne die langen Haare zusammenzubinden? Alltäglichkeiten, die wahrscheinlich so oder so ähnlich in jedem Augenoptikgeschäft schon mal vorgekommen sind. Aber da war doch was… Ach ja, diese Sache mit dem Arbeitsschutz.

Arbeitsunfall und Wegeunfall

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) definiert so: Arbeitsunfälle sind die Unfälle, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden.

Der Wegeunfall ist eine schwierigere Sache: Der Weg in die Pause beispielsweise oder auch der Gang zur Toilette sind versichert. Was dann passiert, geschieht auf eigenes Risiko. Die Tätigkeiten in der Pause und auf der Toilette sind so genannte „eigenwirtschaftliche“ Tätigkeiten, klingt komisch, ist aber so. Eine Ausnahme bildet die viel diskutierte Raucherpause. Der Weg dorthin und die Tätigkeit in dieser Pause sind komplett nicht versichert – Rauchen auf eigene Gefahr.
Übrigens gibt es versicherte Umwege. Umwege also, die Sie machen dürfen, ohne den Versicherungsschutz zu verlieren, da ja sonst der Grundsatz des direkten Arbeitsweges gilt. Solche Umwege sind beispielsweise Wege, die sich durch eine Fahrgemeinschaft ergeben. Auch dürfen Sie auf dem Weg zur Arbeit Ihre Kinder zur Kita oder Schule bringen.

Im Falle eines Arbeitsunfalls gilt ein Rechtsanspruch übrigens nur gegenüber der Berufsgenossenschaft, nicht gegenüber dem Unternehmen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bilden Unfälle, die durch Alkoholkonsum verursacht wurden.

 

Das Gefahrenpotential in der Augenoptik ist sehr gering. Das zeigen auch die Unfallzahlen der GB ETEM, hier sind die meisten Augenoptiker versichert: 2018 gab es hier in allen Branchen insgesamt 13,9 Arbeitsunfälle pro 1.000 Versicherte.

 

Die Gefährdungsbeurteilung

Seit 1996 ist die Gefährdungsbeurteilung für alle Unternehmen Pflicht. Durch das Arbeitsschutzgesetz sind Arbeitgeber zur regelmäßigen Gefährdungsbeurteilung, der Implementierung von entsprechenden Maßnahmen und der Dokumentation des Prozesses verpflichtet. Die Beurteilung muss mindestens jährlich, und im Bedarfsfall, aktualisiert werden. Sie ist quasi ein laufender Prozess. Das Ziel der Gefährdungsbeurteilung ist es, die bei der Arbeit bestehenden Gefährdungen zu erkennen, am besten bevor etwas passiert, um so die Mitarbeiter zu schützen.
Eine Gefährdungsbeurteilung schließt dabei nicht alle Risiken aus, es gibt immer ein akzeptiertes Restrisiko. Alles andere wäre unrealistisch.

Zwei Faktoren setzen die Beurteilung zusammen: die Schadensschwere (hier kann man wenig Einfluss nehmen) und die Eintrittswahrscheinlichkeit (hier kann man einwirken).
Wichtige Vorschriften zur Gefährdungsbeurteilung finden sich in Paragraph 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Weitere wichtige Verordnungen zum Thema: Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, DGUV Vorschrift 1, DGUV Vorschrift 2.
Wie eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird ist individuell verschieden. Die folgende Aufzählung kann Ihnen als Orientierung dienen:

1. Gefährdungen ermitteln
2. Gefährdungen beurteilen
3. Arbeitsschutzmaßnahmen festlegen und umsetzen
4. Mitarbeiter unterweisen
5. Gefährdungsbeurteilung regelmäßig prüfen und ggf. verändern
6. Einhaltung der Arbeitsschutzmaßnahmen kontrollieren

Hilfreiche Links:
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Gefaehrdungsbeurteilung/_functions/BereichsPublikationssuche_Formular.html?nn=8702952
https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/gefaehrdungsbeurteilung/index.jsp

 



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